Heute Vormittag wurde eine Delegation aus Aktivist:innen und Journalist:innen aus Deutschland von der türkischen Polizei auf dem Weg von Diyarbakır nach Mardin festgenommen. Die Gruppe war vergangenes Wochenende in die kurdischen Regionen im Süden der Türkei gereist, um den dortigen Protest gegen die eskalierende Gewalt in Syrien zu begleiten. Die Delegation besteht aus 16 Vertreter:innen verschiedener Jugendorganisationen wie der Linksjugend Solid. Seit Sonntag dem 25.01.2026 hatte sich die Delegation mit verschiedenen Institutionen, Organisationen der Zivilgesellschaft und politischen Parteien getroffen, um gemeinsam eine friedliche Lösung für Syrien zu fordern.
Aktuell führt die syrische Übergangsregierung einen großangelegten Angriff gegen die Demokratische Selbstverwaltung im Nordosten des Landes an. Dagegen protestieren vor allem Kurd:innen an der Grenze zwischen Türkei und Syrien. An einigen Stellen stürmten Protestierende die Grenzzäune um in die umkämpften Regionen in Syrien zu kommen und sich an der Verteidigung der mehrheitlich kurdischen Städte zu beteiligen. Bei den Protesten kam es immer wieder zu gewalttätigen Angriffen durch die türkische Polizei und Versammlungsverboten.
Die Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei gilt als stark eingeschränkt. Besonders in den mehrheitlich kurdischen Regionen im südosten des Landes stehen Politiker:innen und Medienschaffende immer wieder unter Druck, wenn sie sich für kulturelle Rechte und demokratische Teilhabe aussprechen.
Vor einer Woche startete zudem eine Auto-Karawane unter dem Motto „Karawane zur Verteidigung der Menschlichkeit“ aus Deutschland in die Türkei. Das Ziel der etwa 150 Teilnehmenden ist die Grenze nahe der syrischen Stadt Kobanê, die derzeit von Truppen der syrischen Übergangsregierung eingekreist ist. Trotz einer 15 Tägigen Waffenstillstandvereinbarung rücken die Truppen weiter vor und greifen immer wieder Dörfer nahe der Stadt an. Kobanê erreichte 2014 weltweite Aufmerksamkeit, als es den Syrischen Demokratische Kräften (SDF), zu denen auch die kurdischen Frauenverteidigungskräfte YPJ gehören, gelang, die Stadt vom Islamischen Staat zu befreien. Die Befreiung Kobanês wird als Wendepunkt im Kampf gegen die islamistische Terrormiliz gesehen.
Die Karawane fordert die sofortige Freilassung der festgenommenen Delegation. „Wir fordern die sofortige Freilassung der Delegation und ein Ende der Kriminalisierung derer, die sich für Demokratie, Gleichheit und Frieden einsetzen.“, heißt es in einer Erklärung.

